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Hilfe für den Goldenen Scheckenfalter

Hilfe für den Goldenen Scheckenfalter

Das langanhaltende feuchte Wetter hat uns einen skurrilen Arbeitseinsatz beschert. Dadurch, dass es im Grunde genommen seit Anfang des Frühjahrs immer schön feucht war, sind fast alle Pflanzen im Offenland extrem in die Höhe gewachsen. Selbst Halbtrockenrasen sind quatschnass und das Gras steht so hoch wie selten. In den meisten Naturschutzgebieten stehen nun die Mähtermine an, die normalerweise an den Schutzzweck gebunden abgestimmt und zumindest annähernd optimiert werden.

Am Beispiel des Goldenen Scheckenfalters im NSG Gebberg bei Saarbrücken sehen wir nun exemplarisch, wie schwierig das sein kann. Dort werden niemals alle Parzellen zur gleichen Zeit gemäht. Es würden immer genügend Bestände des Teufelsabbisses (Succisa pratensis), an denen die Weibchen ihre Eier abgelegt haben, erhalten bleiben, damit die Art dort gut überleben kann. Das Mähen selbst ist alternativlos und muss erfolgen, da sich sonst der Lebensraum sehr zum Nachteil verändern würde. Auch bedarf es eines ständigen Nährstoffaustrages, um den Nährstoffeintrag aus der Atmosphäre zu kompensieren. Die Mahd am Gebberg erfolgt in einer Höhe von 10cm über dem Boden. Normalerweise finden sich die meisten Eigelege im Gebiet unterhalb dieser Höhe. Durch das starke Wachstum in diesem Jahr jedoch, befinden sich die meisten Eigelege darüber! Sie würden abgemäht und noch am gleichen Tag zusammen mit dem Grünschnitt an Pferde verfüttert, bzw. zu Silage verarbeitet werden. Nun kommt unglücklicherweise noch hinzu, dass dieses Jahr die meisten Eigelege in der zu mähenden Fläche zu finden sind.

In etwas tiefer liegenden "Rillen" in der Fläche und entlang von Hecken finden sich die meisten guten Bestände des Teufelsabbisses. Hier suchen wir systematisch beinahe alle geeigneten Pflanzen ab. Es sind hier meist die etwas größeren gut exponierten Blätter, die von den Weibchen gerne für die Eiablage gewählt werden.

Thomas koordiniert die Pflegemaßnahmen am Gebberg, so weit es für den Erhalt des Goldenen Scheckenfalters in Abstimmung mit anderen Naturschutz-Zielen dort möglich ist. Er hatte schon mehr als 100 Eigelege mit Pflöcken markiert und erfasst. Nun hat er für Sonntag zu einem skurrilen Arbeitseinsatz geladen: Wir sollten möglichst viele Eigelege aus der zu mähenden Fläche entfernen, sofern die Eiablagehöhe < 10cm beträgt. Diese Eigelege sollten danach in die nicht zu mähenden Flächen übertragen werden.

Ihr glaubt nicht, wie viel Spaß das gemacht hat, obwohl die Flächen patschnass und die Stechmücken sehr aktiv waren. Am Ende des Tages hatten wir noch weitere 80 Aufnahmen (Anzahl Eigelege, genaue GPS-Koordinaten, Ablagehöhe) gemacht und die meisten der knapp 100 Eigelege eingesammelt. Somit hatten wir nach dieser Arbeit knapp 200 Eigelege zum Umsiedeln in die benachbarten Flächen! Hierzu haben wir die Blätter mit den Gelegen mit der Schere zurechtgeschnitten und anschließend mit rostfreien Insektennadeln auf die Blattunterseite geeigneter Teufelsabbisse gepinnt. Wir haben quasi die Arbeit der Weibchen selbst einmal nachempfunden... Schöne Ablagepflanze suchen, hinhocken, (Insektennadel und Eigelege greifen), ablegen.

Bei der Arbeit: Die Fundstellen waren teils schon mit Pflöcken markiert. Die neuen Gelege wurden allesamt gewissenhaft erfasst (inkl. der Ablagehöhe und den genauen GPS-Koordinaten). Damit nicht die gesamte Fläche vertrampelt wird, gehen wir sehr vorsichtig vor. Rund um die Patches mit Teufelsabbiss ist die Vegetation hinterher etwas heruntergedrückt, was aber dem Goldenen Scheckenfalter bzw. seinen Raupen sogar zugute kommen sollte.

Durch die gute Bestandsentwicklung am Gebberg, wird die Population sicher eine wichtige Rolle beim Austausch zu anderen Flächen spielen und vielleicht werden sogar nicht besiedelte Flächen im Umfeld in naher Zukunft besiedelt, wenn ein Populationsüberschuss entsteht. Wir hoffen, mit unserer Aktion den Wetterkapriolen ein kleines Schnippchen geschlagen zu haben.

Durch das Engagement von Thomas und seine Zusammenarbeit mit dem Bauern, der die Mahd durchführt, konnte in den letzten Jahren die Gespinstanzahl (meist werden hier mehr gefunden, als Eigelege) von minimal 7 auf nun weit über 200 gesteigert werden. Ein toller Erfolg!

Gesammelte Gelege für das Ausbringen in der Nachbarfläche.

Nachtrag direkt von Thomas Reinelt

Wir haben das Eigelege auf den belegten Blättern ausgeschnitten und an eine andere Pflanze angeheftet. Die frisch geschlüpften Raupen nehmen das sehr gut an und fangen dierekt unter dem alten Blattausschnitt mit dem Fensterfraß und dem Gespinstbau an. Das ganze funktioniert auch an Taubenscabiose. Nachdem wir jetzt insgesamt 200 Eigelege gefunden haben und ich nach der Erfahrung aus dem letzten Jahr davon ausgehe das nur etwa 50 % der Eigelege gefunden werdden, rechne ich mit 400 Eigelegen und 100.000 Eiern am Gebberg dieses Jahr. Spannend wird noch die Suche an Taubenscabiose sein. Hier ist eine Suche nach Eigelegen nur mit einem enorm hohen Zeitaufwand und einer extremen Geduld und Ausdauer erfolgsversprechend. Ab Mitte August lohnt es sich nach den Gespinsten an Taubenscabiose zu suchen.

10. Juli 2016 im Garten
Zwergbläuling - standorttreu und doch so mobil

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